Werkstoffe und Techniken der Malerei von Kurt Wehlte

Werkstoffe und Techniken der Malerei zum Nachschlagen

Das Buch mit dem Titel “Werkstoffe und Techniken der Malerei” diente im Folgenden zum besseren Verständnis der Werkstoffe und deren Verarbeitung . Es ist zwar in erster Linie für die Malerei verfasst und doch lassen sich alle Informationen daraus in die Bau und Anstreichtechnik integrieren .
Prof. Kurt Wehlte verfasste dieses umfangreiche Werk Anfang der 1960er Jahre . –
Es wurde bis jetzt in mehreren Auflagen herausgegeben .
Ich habe die interessantesten Punkte im Folgenden zusammengefasst . Wichtig schienen mir Informationen zum Thema: DIY ( der eigenen Herstellung ) , Verträglichkeit der Malmittel untereinander , Umweltverträglichkeit und einigem anderen mehr .

Zur Person Prof. Kurt Wehlte

1897 geboren und aufwachsend in Dresden besuchte Kurt Wehlte nach dem ersten Weltkrieg die hiesige Akademie der bildenden Künste . In München studiert er bei Dörner und spezialisiert sich auf die bis dahin noch neue Röntgenuntersuchung von Gemälden . Er leitet ein Labor zur Untersuchung von Werkstoffen der Malerei und erledigt Lehrtätigkeiten , Forschung , Gutachten und verfasst Publikationen .

Mit seinem Werdegang deckt sich der Übergang von den Anfängen der chemischen Hoch-Industrie bis zum Wirtschaftsboom der Nachkriegszeit .
Sein Nachschlagewerk “Werkstoffe und Techniken der Malerei” vermittelt einen hervorragenden Blick in die Verwendung traditioneller Malmittel bis zu einer breiten Palette von neuen Mitteln und Werkstoffen .
Dadurch relativiert sich für den Laien die Selbstverständlichkeit und Erwartungshaltung einzelne Produkte auszuwählen und anzuwenden .

Prof. Kurt Wehlte teilte das Verständnisprinzip der Maltechnik in ein Dreieck ein .
Die Eckpunkte bilden G für den Grund , F für Farbe und B für Bindemittel .

Grundiermittel

Zur Zeit Wehlte´s war der Isoliergrund normalerweise eine Leimlösung , doch seit einigen Jahrzehnten werden hauptsächlich Kunstharzdispersionen aufgetragen  .
Sie unterscheiden sich von Farbmitteln im Grad der Lösung , Festigkeit gegenüber anderen Stoffen wie Öl ( ölecht ) oder Wasser , ob Pigmente enthalten sind etc. . Grundsätzlich aber ist die Grundierung nicht viel anders als das Erstellen einer Farbschicht . Das Beimengen von Weißpigmenten wie Titandioxid erhöht den Reflexionsgrad der Deckschicht/en .
Alternativ zu den folgenden Leim und Kunstharzlösungen ist bspw. eine Dammar-Weichharz-Terpentinöl/Testbenzin-Lösung im Verhältnis 1:4 geeignet . Aber auch Shellack , Nitro und Zaponlack finden Verwendung ( Kristallgrund , Kronengrund , Einlassgrund ) .

Farben

Unterschieden wird generell zwischen Leim , Kasein , Öl , Wachs , Silikat und Emulsionsfarben , wobei ich noch die Kalk/Kreidefarben hinzunehme , da sie im Möbelanstrich recht hip sind .
Das Benennen des Farbtons sollte so einfach und rein wie möglich gehalten werden , wonach bspw. ein blaustichiges Grau als Blau-Grau durchgeht , sofern man die Farbe nicht näher kennt .
Die Beständigkeit der Farb-Pigmente im Licht wird in den Stufen von 1 bis 8 eingeteilt .
So hat Titandioxid bspw. die höchste Lichtbeständigkeit von 8 . – Als anorganisches Pigment ist es grundsätzlich sehr lichtecht .
Andere einflussreiche Faktoren neben Licht sind Alkalien , Säure , Wetter und Schwefelwasserstoff .
Die Auswahl des Bindemittels ist in erster Linie dafür entscheidend . So entsteht bei Öl keine Reaktion , jedoch bei mineralischen/haltigen durch die Alkalität .
Dafür geeignete alkalibeständigen Pigmente werden auch Frescofarben bezeichnet . Mitunter werden sie für das Mischen von Beton und Putzen verwendet . Pigmente können auch von minderer Qualität sein , wenn sie zum Beispiel schlecht ausgewaschen sind und in der Folge ein Kaseinbindemittel ausfällt ( flockt aus ) . Außerdem kann es vorkommen , dass die etwa 50mikrometer kleinen Körnchen sich schlecht anteigen lassen . Gegen die Oberflächenspannung hilft ein wenig Spiritus ( Weingeißt ) / Netzmittel .
So nebenbei : Pigmente können außerdem die Trocknung beeinflussen / verlangsamen , so wie Zinnober oder Zinkweiß .
Neben der optischen Planung ist die Auswahl geeigneter Pigmente mit-entscheidend !

Kalkkaseinfarben/Kreidefarben

Erstere können nicht gut gebrauchsfertig gehandelt werden , da sie trotz der Konservierungsstoffe durch die Abnahme ihrer Bindefähigkeit lediglich begrenzt haltbar sind . Kalkkaseinfarben wirken nach der Trocknung ähnlich wie Kreidefarben .
Auf Kreide geht Wehlte nicht näher ein , doch vermitteln sie eine unverfälschte Echtheit durch das Oberflächenlicht .

Wachse als Schutzschicht brechen das Licht am wenigsten und sind daher für solche Farben besonders geeignet .
An der Stelle möchte ich noch Gouachefarben erwähnen , die mit Kreide , Wasser und Gummi Arabicum angemischt werden . Als Ergebnis präsentiert sich ein ähnlicher Effekt wie bei den oben genannten Farben .

Emulsions/Dispersionsfarben aus Werkstoffe und Techniken der Malerei zusammengefasst

Ein Eidotter ist eine natürliche Emulsion , mit Wasser , Öl , Proteinen und einigen anderen Stoffen . Nach Wehlte sind in der Emulsion wässrige und nicht-wässrige Bindemittel vereint .
Der Begriff “Tempera” orientiert sich seit etwa hundert Jahren am physikalischem Begriff der Emulsion .
Auch Seifen sind Emulsionen , bei der Fette/Öle mit Laugenwasser verseifen und dabei eine Bindung eingehen .
Entscheidend ist hier die Alkalität des Laugenwassers .
-> Wird ein Leinöl oder ein anderes Leinölprodukt einer Kaseinemulsion mit alkalischem Überschuss zugesetzt , dann wird es gleichzeitig anverseift und emulgiert leichter <-
Temperas werden wie die Leinölpaste hergestellt , indem bspw. die Pigmente zunächst mit Wasser benetzt werden bis eine krümelige Masse entsteht , um dann gleich die Lösung beizumengen .

! Vorsicht bei der Verwendung eines Glasläufers ,- ein zu starkes Reiben trennt die Bestandteile wieder .
Kunststoffdispersionsfarben/Binderfarben können mit Wasser angeteigte Pigmente vermengt werden , wobei etwas Binder nicht fehlen sollte . Wenn die Bindung stark genug ist , trocknen sie wasserunlöslich auf .
Wehlte sieht keine Möglichkeit eine Kunstharzdispersion auf Wasserbasis selbst herzustellen , denn sie werden in einem komplexen chemisch/maschinellem Verfahren industriell hergestellt , so auch Acrylfarben .
Grundsätzlich bestehen Emulsionen aus mehreren Bindemitteln , die nicht ineinander gebunden sind . Daher bedarf es Emulgatoren , so wie im Beispiel der Milch .  … Sie enthält die Bindemittel Wasser und Fett , die durch Kasein emulgiert werden . Bei der Gouache – Rezeptur mit Wasser und Öl ist Gummi-Arabicum ein ausgezeichneter Emulgator .

Ölfarben

Sie kommen in der Anstrichtechnik hauptsächlich im Außenbereich vor .
Am besten eignet sich in Bezug auf die Trocknungsphase das Leinöl .
Eine Anstrichprobe auf Glas eines guten Leinöls ist nach 5 Tagen trocken ( kein Kleben ) . Die Trocknungsdauer verringert sich erheblich durch die Pigmente und dem dazugegebenen Terpentinöl .
Zuviel Bindemittel/Öl kann zu Aufwölbungen/Runzeln führen und es ist nebenbei ratsam , den Bindemittelanteil so gering wie möglich zu halten . Bei hellen Farben läßt sich ein gewisser Vergilbungsgrad nicht vermeiden . Daher eignet sich bestenfalls hochwertiges kaltgepresstes und helles Leinöl .
Die Ausbeute gegenüber einer Warmpressung liegt leider auch nur bei 30 Prozent ( daher der höhere Preis ) .

Leimfarben – Werkstoffe und Techniken der Malerei 

Die Basis bilden entweder Glutin,- Kasein,- oder Glutolin-Leime . Es handelt sich dabei um Eiweiße aus Tierhäuten und Knochen ( Glutin ) , Milch ( Kasein ) und Cellulose von Pflanzen ( Glutolin ) .

Die Trocknung vollzieht sich recht zügig und mit hoher Spannung . Die Menge an Bindemittel ( Leim ) ist hier entscheidend , denn ein zuviel führt zur Rissbildung ( evtl. einen Schuss Leinöl zugeben ) .
Das Deckvermögen von Leimfarben ist recht hoch und sogar besser als bei Ölfarben .
Lasuren funktionieren sehr gut mit anorganischen , kristallinen Oxid-Pigmenten .
Bis auf Kasein sind die tierischen und pflanzlichen Leime reversibel / wasserlöslich . Glutolin auf Cellulose-Basis ist relativ neutral . Außerdem trocknet es gleichmäßig auf .
Manche Gelatinen wie die des Hautleim sind schwach alkalisch .
Das Kalk-Kasein ist von allen Kaseinsorten die stabilste Verbindung und schon seit der Antike im Gebrauch . Am besten eignet sich weißer Sumpfkalk als Bindemittel , den es sich generell lohnt , – selbst herzustellen . Die Konsistenz sollte schön cremig sein .
Wehlte empfiehlt , dem Leimwasser einer üblichen Mischung von 50:1000 ml ( die 50ml beziehen sich auf vorgequollenen Leim ) noch etwas Alaun hinzuzugeben ( 10% des Leimes – 5 ml ) . Alaun verbessert die Isolierung gegenüber einer weiteren Deckschicht und wirkt einem erneuten Aufquellen entgegen . Den Alaun vor der Zugabe ebenfalls in Wasser lösen . – Eine vollkommene Wasserunlöslichkeit erreicht man durch Zugabe einer 6 – 10% Formalinlösung bei Glutinleim .

Leim zubereiten

Leim-Feststoffe sind in unterschiedlichen Formen von Graupen/Perlen , Splittern und Pulver zu bekommen .
Je nach Menge und Form der Gelatine kann der Quellvorgang im handwarmen Wasser bis mehrere Stunden dauern . Nach der Zugabe in das dementsprechende Wasservolumen geht der Leim bei etwa 60°C in Lösung über .

Öle/Ölmittel

Firnis ist eigentlich im Holzschutz nicht wegzudenken und ich denke , dass die Beschreibung in “Werkstoffe und Techniken der Malerei” über die Zusammensetzung allgemein immer noch Gültigkeit hat . – Demnach ist Firnis ein mit Trockenstoffen verkochtes Leinöl .

Da Firnis soviel heißt wie – “deckende Schicht” oder “Überzug” ist für spezielle Verwendungen in der Restauration u.a. der Begriff auch für andere Rezepturen stehend .
Beim Anmischen der Farbpaste mit Leinöl gibt man genauso viel Terpentinöl wie Leinöl bei . Das Terpentin sorgt für eine bessere Verteilung und beschleunigt die Trocknung .
Leinöl wandelt sich in der Trocknung zu Lin-oxyn * , was durch Terpentinöl nicht mehr gelöst werden kann .
Hierfür verwende man E33 , Aceton oder Trichlorethylen .

Ein evtl. noch unentdecktes Potenzial steckt im Sonnenblumenöl , das Wehlte gerne weiter in seinen Fähigkeiten untersucht hätte . Schließlich ist es das Öl der gesamten russischen künstlerischen Malerei , wofür seit dem 18. Jhd. Sonnenblumen gezüchtet werden .
Für die Malerei/Anstreichen eignet sich Sonnenblumenöl , was aus hellen Kernen gepresst wird . – Es stellt damit eine echte Alternative zu Leinöl dar .

Halböl ist nach Wehlte ein Mix von Leinölfirnis und Testbenzin ( Terpentinersatz ) -> siehe auch Hilfsstoffe .
Weitere einzelne exotische Öle stellt Wehlte zwar vor , kommt aber zu dem Schluss , dass sie entweder zu langer Trocknung bedürfen oder keine Vorteile an sich bieten .
! Doch es sei noch auf einige Besonderheiten hingewiesen : Nussöl und Rizinusöl sind sehr klar und vergilben kaum .
Tungöl trocknet durch eine Polymerisation , nicht durch Oxidation , da es in seiner Zusammensetzung eine Ausnahme unter Ölen darstellt .

Generell ist die Wahrnehmung von Ölfarben durch das Tiefenlicht beeinflusst . Eine Matt-wirkung ist nur durch einen saugenden Untergrund zu erreichen .

Verarbeitung von Harzen

Die für die Malerei benötigten Harze stammen aus aller Welt ,- Dammarharz bspw. aus Indien . Die Brocken im Handel sind etwa 1 bis 3cm groß .
Die Malerei der alten Meister zeugt von dem häufigen Gebrauch von Harzlösungen .
Harzlösungen trocknen glasig und spröde auf , wobei auch sie einem gewissen Vergilbungsgrad unterliegen .
Solche Harze werden daher in hochwertigem Terpentinöl gelöst ( möglichst doppelt rektefiziert / destilliert ) .
Auch in Emulsionen finden Harze Verwendung und ersetzen einen Teil des Öls .

Shellack bildet als tierisches Harz ( Pflanzenläuse ) eine Ausnahme . Bis zu 1 cm dick ist ihre Harzschicht auf Zweigen und geerntet wird es vorwiegend in Asien ( Indien , Thailand ) .
Er ist in Alkohol wie Ethanol löslich .
Spirituslack ist mit dem Harz gelöster Manilakopale ein früher ( Spielzeug etc. ) aufgebrachter Harzanstrich .

Wachse

So wie die Harze , – stammen Wachse aus natürlichen Ressourcen von Insekten ( Bienen ) und Pflanzen . – Sie sind fettähnliche Verbindungen aus höheren Fettsäuren und Paraffin-Alkoholen .

Auch synthetisch werden Wachse hergestellt und stammen bspw. aus der Kohlehydrierung , Mineralien oder Erdölen .
Die größte Bedeutung misst Kurt Wehlte dem Bienenwachs zu , was so “frisch” wie möglich sein sollte . “Frisch” bedeutet in diesem Zusammenhang noch vor der Eiablage der Bienen , denn sonst sind die Waben mit Chrysin überzogen . In der Regel jedoch ist nur “gebrauchtes” Wachs von den Imkern zu bekommen , das dann in der Wachsproduktion gereinigt werden muss . Anschließend von den Fabriken umgeschmolzen und ausgewaschen gelangen sie als Würfel in den Handel . Der Geruch bei Bienenwachs kommt vom restlichen Chrysin und dem enthaltenen Propolis ( Baumblüten , Pilze ) .
Unerlässlich für helle Farben ist gebleichtes Bienenwachs und daher wird es bspw. in sulfathaltigem Wasser gekocht und anschließend einer Chlorkalklösung zugesetzt .
Häufig trifft man auf Kompositonswachse , bei dem Carnauba + Bienenwachs verschmolzen wird und dann als Schlussfirnis u.a. zur Anwendung kommt . Beide Wachse müssen gebleicht sein , wobei das Bienenwachs nur ein Drittel einnimmt . Das zuerst in Testbenzin gelöste Carnauba kann anschließend zugeschmolzen werden .

Auf Möbel wird das Wachs mit Pinsel oder einem Mull-Ballen aufgetragen und einzelne Partien können durch Polieren hervorgehoben werden .

Hilfsmittel

– Konzentrierte Verdünnungsmittel

Terpentinöl findet Verwendung bei der Herstellung von Leinöl , harzhaltigen Firnissen , Seifen u.a. .
Ein Auswahlkriterium ist sicherlich die Klarheit , wobei das nicht unbedingt auf den Grad der Vergilbung Rückschlüsse zulässt , – jedoch erfüllt sein muss !
Aufgrund seiner ungesättigten Anteile beschleunigt es die Trocknung .
Testbenzin oder Terpentinersatz ist ein Destillat der Steinkohle und besteht aus gesättigten Kohlenwasserstoffen .
Es hat daher keinen Einfluss auf die Trocknung . Kurt Wehlte betont mehrmals die neutralen Eigenschaften von Testbenzin als vorteilhaft .
Zur Entfernung getrockneter Öl-Oxyne kommt u.a. Aceton zur Anwendung . Es ist ein sehr starkes Lösemittel und löst alle Öle , Nitrocellulose-Lacke und sogar Fett . Es kann in Kombination mit Testbenzin verwendet werden .

– Netzmittel

Sie sorgen für eine bessere Bindung zwischen Pigmenten und dem Bindemittel . So kann mitunter Spiritus als Netzmittel die Oberflächenspannung des Bindemittels senken .
Im allgemeinen haben solche Mittel häufig den Charakter eines Emulgators .

– Trockenstoffe/Sikkative

Bei Leinölfarben wird mit der Zugabe von maximal 5% Trockenstoffen zum Bindemittel die Trockenzeit kalkulierbarer . Hier empfiehlt sich Kobalt , denn es trägt am wenigsten zu einer Vergilbung bei ( die frisch aufgebrachten Farben nicht der direkten Sonnenstrahlung aussetzen ) .
Terpentinöl hilft ebenfalls bei der Trocknung , da zum einen eine dünnere Lösung schneller trocknet/einzieht und zum anderen das flüchtige Öl hptsl. aus ungesättigten Kohlenwasserstoffen besteht .
Die Sauerstoffaufnahme aus der Luft ( Oxidation ) bewirkt die Umwandlung zum Feststoff .

An der Stelle lohnt es sich zum Vergleich die schnell trocknenden Zapon und Nitrocellulose-Lacke zu erwähnen . Bereits nach 2h ist ihre Trocknung sehr weit fortgeschritten . Allerdings liegt ihr Verdünnungsmittel-anteil bei bis zu 70% , weshalb sie bei einer weiteren Schicht widerum angelöst werden ( Auch Naturharzlasuren lösen sich wieder mit Alkohol ) . Beide Lacke enthalten ein Cellulose-basiertes Bindemittel mit Verdünnungsmitteln .

– Konservierungsmittel

Solche Mittel kommen bei wässrigen Lösungen zur Anwendung .
Einer Tempera – Emulsion werden Kampferkugeln , Nelkenöl , Dammarharzlösung und Raschit beigegeben .

– Weichmacher

Kurt Wehlte hat sie zwar unter den Hilfsstoffen nicht aufgeführt , doch sollten sie am ehesten an dieser Stelle erwähnt werden . Um einen gewissen Grad an Flexibilität zu erhalten , braucht es Stoffe , die Wasser aus der Luft aufnehmen/hygroskopisch sind . So wurden leimstoffhaltigen Bindemitteln früher Honig zugesetzt , der zur Zeit Wehlte’s durch Glycerin , Kampher ersetzt war . In der Gemäldemalerei kommen auch weichmachende Öle zur Anwendung , so wie das Rizinusöl .

Lagerhaltung / Reinigung – Tips

Die ungesättigten pflanzlichen Öle sind permanent im Austausch mit der Luft und oxidieren , bzw. nehmen Luftsauerstoff auf . Das tun sie auch in verschlossenen Behältern und dementsprechend bildet sich eine Haut an der Oberfläche . Da sich die Oxyne nicht mehr lösen , ist sie zu entsorgen .
Glasbehälter zur Aufbewahrung von Öl können implodieren und außerdem nur noch schwer öffnen lassen ( Ein Verschlusspropfen aus Glas zieht sich fest )
! Dagegen wurden Glaskugeln zum Ausgleich des entstandenen Luftraums hineingetan . Auch hilft ein klein wenig Oberflächen – Wasser in Farben/Ölen mit ungesättigten Stoffen !

Pinsel werden mit Terpentinöl/Testbenzin gereinigt und anschließend mit Seife ausgewaschen , oder umgekehrt . Je nachdem , ob nicht verseifbare Bestandteile vorhanden sind oder nicht .
Kunstharz ist mit Spiritus/Weingeist oder Toluol zu reinigen ( natürlich geht auch das noch hochprozentigere Isopropanol ) .
Um eine Verunreinigung der Mittel untereinander zu vermeiden , sollten Behälter ebenso behutsam gereinigt werden .

Fazit

Wo früher Zunftgeheimnisse und Rezepturen der alten Meister nicht preisgegeben wurden , folgten Patentrezepte und Firmengeheimnisse in der Neuzeit . Fantasienamen sind das Produkt von Marketingstrategien von Werbeabteilungen und doch einer Transparenz nicht förderlich . Auch Kurt Wehlte kannte die modernen Werkstoffe des öfteren nicht genau , war aber ihnen gegenüber positiv eingestellt . Sie brachten nach dem Krieg eine spürbare Verbesserung in der Haltbarkeit und Handhabung .
Jahrzehnte sind seither vergangen und das Interesse hinsichtlich mehr Transparenz ist aufgrund einer aufkommenden Verantwortung gegenüber nachhaltigen Stoffen , gestiegen .
Gekaufte gebrauchsfertige Mittel haben meistens eine ungenügende Auflistung der Bestandteile , um beispielsweise die Lichtbeständigkeit zu bestimmen . Dazu müsste man die verwendeten Pigmente kennen !
Die DIY – Methoden haben klare Vorteile in der Bestimmung und Auswahl von Pigmenten , der geeigneten Binde,- und Hilfsmittel .
Zuletzt erfüllt das eigene Herstellung ein evtl. unterschätztes Bedürfnis nach Gewissheit über die Zusammensetzung von Umweltstoffen .

Randnotizen zur Welt der Malerei

  • Die Farbenindustrie kennt über 40tausend Pigmente , wovon nur etwa 2000 handelsüblich sind .
    Nach Aussortierung zur Eignung kommen letztlich nur noch wenige zum Einsatz .
  • Künstlerfarbe steht für hochwertige Farbe mit möglichst lichtbeständigen Pigmenten .
  • Die Verwendung an Bindemittel nimmt von der Grundierung bis zur Deckschicht allmählich ab .
  • Um einer Wand die Alkalität zu nehmen , streiche man sie mit einer Schmierseifenlösung ein !
  • Die Bedeutung von Kalk in der Malerei , Anstrichtechnik und Bauwesen allgemein ist gar nicht hoch genug einzuschätzen . Das natürliche Calciumoxid wird bei über 1000°C gebrannt , wobei Kohlensäure entweicht und Calciumhydroxid entsteht . Der gebrannte Kalk ist das Ausgangsmaterial , um daraus Sumpfkalk zu erstellen .
    Kurt Wehlte betont , dass eingelagerter , immer wieder umgerührter Kalk mit den Jahren besser wird und letztlich in der Farbe , im Mörtel oder im Putz umso besser abbindet .
  • Gips ist dem gebrannten Kalk sehr ähnlich , mit dem Unterschied des enthaltenen Schwefels . Alabastergips wird für den Stuckmarmor ( Scagliola – Technik ) verwendet . Name nicht geschützt , er bedeutet lediglich reinweiße Qualität . Namensgebend ist die altägyptische Stadt Alabastron .
  • Das von den Insekten produzierte Harz “Shellack” ist namentlich indischer Herkunft , woraus sich die Wortfamilie “Lack” ableitet .
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