Leinöl zur Farbherstellung und Holzpflege

Leinöl , nur ein Teil vom ganzen

Mit Gerste , Mohn , Weizen , Linsen und Erbsen , gehört Lein zu den frühesten Kulturpflanzen . Aus Faserlein werden Fasern , bspw. für Leinen produziert .
Kulturgeschichtlich hatte die Faserherstellung durch Flachs ( alternative Bezeichnung ) eine große Bedeutung . Leine , Leinen , Flachs und Flechten und vieles andere , sind Wörter , die von der Pflanze herrühren oder mit ihr verbunden sind .
Interessant für uns ist natürlich Leinöl zur Farbherstellung sowie für die Holzpflege .
Es wird aus den Leinsamen gewonnen .

Leinöl sowie Leinölfarbe bleibt als homogene Schicht erhalten , sie ist diffusionsoffen , farbintensiv und kann ganz einfach aufgefrischt werden .

Herstellung von Leinöl

Ölmühlen sind traditionell in einigen Gebieten Deutschlands vermehrt ansässig , so wie in der Lausitz .
Das Warmpressen ist ein Vorgang , bei dem die Leinsamen zuerst zermahlen werden . Das gewonnene Mehl wird mit heißem Wasser vermischt , vermengt und gewalkt , bis sich eine homogene Knetmasse bildet . Anschließend wird sie geröstet und letztlich verpresst .
Heraus kommt warmgepresstes Leinöl , zu erkennen an der braun – gelblichen Farbe .

Kaltgepresst werden Öle durch einen Schneckengang einer Presse .
Dieses Verfahren kennen Küchenliebhaber , die für die eigene Saftpressung ein nach diesem Prinzip arbeitendes Gerät verwenden .
Die entstehenden Temperaturen übersteigen nicht die 40° – Marke .
Man erhält etwa 3 Teile Presskuchen ( als Viehfutter bspw. ) und 1 Teil kaltgepresstes Leinöl . Es hat einen reinen gold – gelben Farbton .

Weiterverarbeitete Leinöle

Standöl wird durch die Aussetzung von Rohleinöl der natürlichen Umwelt in genügend Sonnenlicht gewonnen .
Dieser Prozess wird beschleunigt durch die Verwendung von flachen Wannen . Anschließend setzt eine Art “Vor – Polymerisation” ein und es entsteht ein mehr oder weniger gesättigtes und zähflüssiges Öl .
– Wird Standöl dem natürlichen Leinöl zugesetzt , spricht man von Halböl .

Hartöl – ist das Produkt einer Verkochung von Rohleinöl in einer Schutzgasatmosphäre . Dadurch wird die Oxidation beschleunigt und die Trocknungszeit letztlich wieder verringert .
Diese Leinöl-Variante eignet sich besonders gut für die Holzkonservierung , weil es gut trocknet und eine Schutzschicht bildet . Außerdem schimmert das Öl in einem goldenem Gelb .
Es würde sich evtl. auch für die Farbherstellung gut eignen , jedoch ist es etwa doppelt so teuer als kaltgepresstes reines Leinöl .
1 Liter – Gebinde gibt es etwa ab 20€ zu kaufen .

Leinöl Trocknung

Leinöl hat stark oxidative Eigenschaften , … heißt , es reagiert mit Sauerstoff . Letztlich ist diese Reaktion hervorragend in der Verwendung als Farbe oder Schutzschicht , doch als Speiseöl schmeckt es nach einiger Zeit bitter ( auf dunkle Lagerung und wenig Sauerstoff achten ) .
Erst durch den hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren ist es möglich , dass Sauerstoff an den Doppelbindungen der Atome andockt , was eine Verdickung zur Folge hat . Aber auch die Aussetzung von Licht , Temperatur und Luftfeuchtigkeit haben neben dem Sauerstoff einen Einfluss auf eine Reihe komplexer Polymerisationsprozesse .
Kurzum ,- Leinöl bildet eine ausreichend fest werdende Struktur durch die Oxidation . Durch Hinzugabe von Hilfsstoffen ergeben sich wieder eine Reihe von Ölen , die unterschiedliche Anwendungsbereiche finden .
So werden vor allem die Trocknungszeiten verringert , was man dann wieder mit einer höheren Ausdünstung in Kauf nimmt .
Aus dem Grund ist ein wenig Hingabe gefragt und Zeit ein einzukalkulierender Faktor .

Leinöl Eigenschaften

Da wir kaltgepresstes Rohleinöl mit Pigmenten als Farbe , oder pur als Holzschutz auftragen , müssen wir uns mit einigen weiteren Eigenschaften vertraut machen . Durch die Sauerstoffaufnahme bei der Bindung an die doppelten Kohlenstoff – Atome entsteht eine Volumenzunahme von bis zu 20 Prozent . Diesen Vorgang kann man durchaus mit Holzschwund vergleichen , wenn Holz durch Wasseraufnahme anschwellt und bei Trocknung wieder schwindet .
Spezielle Anwendungsmethoden , wie beispielsweise dem Bau von Streichinstrumenten wie Geigen , benötigen ein ruhiges Finish . Der Instrumentenbauer greift daher auf Standöl zurück . –
Somit verringert sich die Gefahr einer Wellen – Rissbildung an der Oberfläche erheblich .
Auch wird Standöl in der Gemäldemalerei verwendet . Wohl auch , weil die Trocknungszeiten kürzer sind .
Dunklere Farbtöne benötigen aufgrund der kleineren Pigmentkorngröße mehr Leinöl als bunte , wobei ebenfalls wieder die Gefahr eines erhöhten Schwunds gegeben ist .

Neben der guten Verarbeitbarkeit behält Leinöl eine gewisse Flexibilität . Es härtet also nicht komplett aus und ist ferner dampfdiffusions – offen . Auf Holz ist diese Eigenschaft essentiell für ein arbeitendes und ausgleichendes Raumklima .

Balsamterpentin und Sikkative sind das Roundup für Farben

Bei der Farbenherstellung ist der Faktor Trocknung von vorn herein zu integrieren , weil erst dadurch einschätzbare Trocknungsergebnisse erzielt werden .

Doch eine homogene Verbindung von Pigmenten und Leinöl ist genauso eine unverzichtbare Eigenschaft für kräftige , leuchtende , haltbare und satte Farben . Daher gibt es diese Verbindung bereits als Paste zu kaufen , die mit kaltgepresstem und reinem Leinöl maschinell bspw. auf Walzen hergestellt wird .

Im Atelier oder der Werkstatt ersetzt ein Läuferstein die Maschinen , der auf einer Stein,- oder Glasplatte , auf dem mit Öl angemischten Pigment hin und herbewegt wird .
Ich selbst benutze einen Spiegel und die Spachteltechnik , bei der ich eine breite sowie eine schmale Spachtel mit etwas Druck die Mixtur bearbeite .
Dazu gieße ich etwas Leinöl auf die Fläche und gebe anschließend die Pigmente darauf . Diesen Vorgang könnte man als Hochzeit bezeichnen , denn dabei entsteht im Idealfall über jedes dieser Pigmentkörnchen eine Haut aus Leinöl-Bindemittel . Deswegen ist auch ein mehrmaliges Anreiben/Verspachteln nötig , um ein zufriedenstellendes Ergebnis in einer pastösen Konsistenz zu bekommen . Zuletzt verwenden wir das mit Balsam-Terpentinöl verdünntes Leinöl , um damit die Paste auf die gewünschte Streichfähigkeit einzustellen .

Manuell hergestellte Paste ist flüssiger als maschinell hergestellte .

Leinöl zur Holzpflege und Imprägnierung

Für eine weitestgehende Versiegelung als Schlussanstrich auf Holz ist Hartöl gut geeignet . Für die erste Schicht ist die Viskosität entscheidend , weshalb sich erwärmtes , kaltgepresstes Öl anbietet .
Nach einer meist vorgegebenen Eindringphase wird das Öl wieder in langsamen Zügen verpinselt oder abgewischt . Dieser Schritt ist wichtig für eine durchgängige Polymerisation , also einer Verdichtung der Struktur .
Nach einer gewissen Trocknungsphase je nach Einsatzzweck , folgt als nächster Schritt die Vorbereitung für den nächsten Schichtauftrag mit einer Schleifung .

Ein hoher Anteil heller Pigmente kann einen Beitrag zum Holzschutz leisten , indem sie die Lichtwellen brechen . Eine solche Mischung kann auch zur Konservierung von Blechen / Metallen verwendet werden .

! Der Auftrag erfolgt stets mit einem Pinsel mit dem Sie das Öl / Farbe in das Holz leicht einmassieren .
! Eine Trocknung geschieht idealerweise im UV-Licht , daher die behandelten Stücke im Licht stehen lassen .

Fazit :

Je überschaubarer eine Mixtur mit Leinöl als Konservierung und als Farbe letztlich ist ( Anzahl an Bestandteilen ) , umso einschätzbarer ist das Produkt .
Hochwertiges kaltgepresstes Leinöl als Hauptbestandteil gibt es bereits ab 8€/1L zu kaufen . Zur Verdünnung eignet sich das Balsam-Terpentinöl ( kein Baumarkt Ersatzterpentin ) sowie eine Erwärmung , falls das Leinöl pur aufgetragen wird .

Neben den Reinölen , Stand und Hartölen gibt es noch den Leinfirnis , der den gleichen Anteil Terpentin wie Öl , enthält . Die Bezeichnung stammt vom französischem ” le fernis ” – der Lack . Häufig enthält der Leinölfirnis noch  Durchdringungs – und Trocknungsstoffe ( Cobalt und Zinconium – Oktoate ) und hat eine dickere Konsistenz .

Bei der Verwendung von Leinöl als Farbe ist der Auftrag ohne Sikkative ( Trockenstoffe ) erst nach 3 Tagen überstreichbar und nach 2 Wochen durchgetrocknet . Ich verwende bspw. in Terpentin-Öl aufgelöstes Dammar-Harz , wodurch sich die Zeiten gegenüber der puren Leinöl – Verwendung etwa halbieren .

Spezielle Trockenstoffe gibt es als Sikkativ zu kaufen , wobei 2 bis max. 5% als Beigabe zum Bindemittel reichen .

! Die Verwendung von Leinöl als Konservierung sowie zur Farbherstellung möchte ich jedem an’s Herz legen .
Eine Herstellung von Farbe macht ganz besonders Freude und gibt dem Stück nochmal einen speziellen Wert .
Im Moment arbeiten wir an Angeboten in unserem Sortiment , die sie künftig im Shop erwerben können . – Einfach mal wieder vorbeischauen !

 

Noch ein paar Punkte rund um das Thema

  • Komplexe chemische Reaktionen läßt die Temperatur bei zusammengeknüllten Lappen ansteigen . Dadurch steigt die Gefahr einer Selbstentzündung . – Daher die Lappen entweder an der Frischluft aufhängen , in einen Metallbehälter geben und verschließen , oder mit Wasser tränken und entsorgen sowie eventuell kontrolliert verbrennen .
    Der Flammpunkt ölhaltiger Lappen liegt bei ca. 300° C , mit Terpentinöl bzw. mit verdünntem Leinöl durchsetzte Lappen sind weitaus zündwilliger .
  • Als Bindemittel eignen sich neben Leinöl noch Mohnöl , Distelöl , Sonnenblumenöl und Nussöl . – Das sind Öle , die an der Luft oxidieren und weitestgehend austrocknen .
  • Auf den Gebindepackungen namhafter Hersteller ist die Ölzahl zu lesen . Sie beschreibt den Bedarf an Bindemittel für ein Pigment im Verhältnis . Bsp.: ISO 787 Teil 5 –
    ( wobei die Zugabe schrittweise erfolgt bis die gewünschte bzw. erforderliche Menge erreicht ist )
  • Unter Zugabe von Eisenoxid bei Leinöl erhält man Eisenmennigge , auch bekannt als Rostschutzmittel . Es wird bei Holz wie bei Eisen / Stahl verwendet .
  • Pinsel mit Borsten sind für den Flächenauftrag eine gute und günstige Wahl . Sie können mit Seife ausgewaschen und mit Terpentin gereinigt werden . Für eine saubere Wiederverwendung bei Farbe kann der Pinsel auch in die Verdünnung gehängt werden ( Wäscheklammer ) um die Pinselwurzel rein zu bekommen .
  • Balsam-Terpentinöl ist das Destillat von Baumharz wie der Kiefer . Es ist in konzentrierter Form nicht unbedenklich und wirkt hautreizend , narkotisch und nierenreizend . Der Geruch ist stechend , wenn auch der Duft als angenehm empfunden wird .

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