Baumharz – Eigenschaften und Verwendung

Entstehung

Reine Baumharze werden die ausgetretenen Balsame von Nadelhölzern bezeichnet . Der Balsam ist ein sekundäres Stoffwechselprodukt und wird gebildet in Drüsenzellen des Kambium , der inneren epidermen/zellteilenden Schicht der Rinde oder Borke .
Er setzt sich zusammen aus Polymeren und flüchtigen Stoffen , den Aromaten . Einmal freigesetzt , etwa um eine Wunde an der Außenhaut des Baumes zu verschließen , – verflüchtigen sich die aromatischen Stoffe und der Saft dickt ein .
Der Balsam wird hart und wird dadurch zu Baumharz .
Einige Laubbäume bilden Gummiharze und stellen eine Mischform aus harzigen sowie wasserlöslichen Bestandteilen ( Myrrhe , Gummi Arabicum , Mastix , u.a. ) . 

 

Balsam für den Baum 

Bäume sind an Ort und Stelle verwurzelt und können nicht mal eben über die Berge flüchten , wenn Gefahr in Verzug ist . Doch sind die Gefahren komplexer Natur . Fichte , Lärche und alle anderen Baumvertreter sind verschiedensten Stressfaktoren ausgesetzt . Da wären Hitze , Trockenheit/Wasserknappheit , Unwetter , Frost und Frostdürre , Abreiben der Rinde durch Fegen , Lichtmangel etc. , – um nur einige zu nennen . Ein Baum und generell Pflanzen , strecken sich dem Sonnenlicht entgegen und ihr ideal – natürliche Zustand ist sich in ihrer Pracht zu entfalten . Um diesen Zustand zu ermöglichen , hat die Natur ein Immunsystem eingerichtet , wozu das besondere Balsam zählt .  Baumharz hält durch die Versiegelung einer offenen Rinde – Schädlinge , Bakterien und Pilze ab . Ebenso ergeht es Kolonialisten wie den Borkenkäfern , denen der Baum das unverdauliche wie tödliche Harz entgegegenschickt .
Harz als Bestandteil des Immunsystems von Bäumen ist in höchstem Maß antibakteriell und pilzhemmend .
Bienen nutzen diese Eigenschaft beim Propolis , was sie als Harz von bestimmten Baumsorten einsammeln und für Kittarbeiten im Stock verwenden . Aber auch Ameisen und Vögel machen sich die abiotische Wirkung von Baumharz zu Nutze .

Harz zur Räucherung

Dass der eingedickte Baumsaft verräuchert eine wohltuende Wirkung hat , wissen Menschen schon seit Ur-zeiten . Den feuermachenden Cro-Magnon Menschen wird nicht entgangen sein , dass das Gold des Waldes – Ursprung ganz besonderer Botenstoffe ist .
Der Zugang zu Harzen ist demnach stark von der Region abhängig gewesen . Nicht umsonst mussten es Könige sein , die dem Erlöser das Räucherwerk als Zeichen ihrer Huldigung überreichten . Mayas nannten die fossilen Baumharze , die wir als Kopale bezeichnen , – “Pom” .
Räucherungen in Krankenzimmern ist eine gängige Praxis ganzheitlicher Medizin und entfaltet vor dem Hintergrund der enthaltenen Abwehr – Botenstoffe seine Wirkung .

Das deutsche Sprichwort ” Balsam für die Seele ” bedeutet jedenfalls Wohltat und Linderung durch das Räuchern von Harzen .
Wer sich dem Thema unter fachkundiger Begleitung nähern möchte , dem empfehle ich die Seite meines Geschäftspartners – Patrick Loeb .

 

Harz für Anstriche

Für die sinnvolle Verwendung habe ich sozusagen eine Schleife in den obigen Absätzen gedreht , um den Zusammenhang zu verdeutlichen .
Die abiotische Wirkung von Baumharz eignet sich klarerweise auch für den Holzschutz . Zusätzlich für die Streuung des Sonnenlichts können geeignete Pigmente beigemischt werden . Baumharz besteht hpts. aus Terpenen und ätherischen Ölen ( flüchtig , in den Äther übergehend ) . Terpene bestehen neben den Ölen aus Kohlenwasserstoff und etlichen anderen Bestandteilen . Dieses Resort ist lange nicht hinreichend erforscht und bietet eine schier unendliche Anzahl von Möglichkeiten den Bauplan der Natur zu ergründen . Daher ist es Sinnvoll , die Schutzeigenschaften von Harz an seiner Quelle , den Baum ,  zu untersuchen , um daraus die nötigen Rückschlüsse für den konstruktiven Holzschutz zu ziehen . Im Synthetikverfahren können lange nicht die komplexen Verbindungen nachgebaut werden .

 

Herstellung von gebrauchsfertigen Harzlösungen 

Das meistverwendete Baumharz ist das der Lärche oder der Waldkiefer und seltener das von Fichte und Tanne . 
Hauptkomponente von Baumharz ist das Terpentin , das zur Gewinnung des Terpentinöls destilliert wird . Terpentinöl ist ein starkes Lösungsmittel und dient zur Herstellung von Hartöl und Leinölfirnissen beispielsweise .
Bei der Trennung/Destillation von den Fest und Flüssigstoffen wird Kolophonium gewonnen , das widerum öl-haltigen Lacken als Sikkativ/Trocknungsmittel beigemengt wird .
Dabei ist Trocknung nicht korrekt , denn es unterstellt die beschleunigte Verflüchtigung von Lösungsmitteln . Das Sikkativ hingegen bewirkt eine bessere Vernetzung bzw. Polymerisation während der Oxidationsphase .

Gewinnung von Baumharz

Harzlachten sehen durch den nach unten eingeritzten Pfeil in die Baumrinde wie ein Lachen aus . Darin ist wohl der Sinn des Wortgrundes zu sehen . Bei den Lachten fließt das Harz in die Spitze des Pfeils , auch Flussharz genannt . Dem Baum wird quasi künstlich eine Wunde zugefügt ,  um die Harzproduktion über einen bestimmten Zeitraum anzuregen . 

Neben dem künstlichen Bluten wird Harz durch das Scharren gewonnen , indem der Harzer den überschüssigen Stoff von der Rinde abnimmt .
Erntezeit ist logischerweise vom Frühjahr bis in den Herbst hinein und am ertragreichsten erweisen sich sonnige Stellen . 

 

Künstliche Harz , Kunstharze

Die industrielle Bezeichnung von Kunstharz sowie im engl.: resin ist in Bezug auf die Nomenklatur/Begriffszuweisung im eigentlichen Sinn unpassend .
Oft wird Kunstharz als solches bezeichnet , weil das formlose/amorphe Erscheinungsbild dem Harz lediglich nahekommt . – Dabei basieren sie meist auf Erdöl . Neben dem Erscheinungsbild gibt es natürlich noch weitere dem Harz ähnliche Eigenschaften , wie beispielsweise die Wirkung als Kleb, – Dichtstoff und als Isolator . So finden Kunstharze breitflächig Verwendung in der Herstellung von Leiterplatten bis zur Isolierung von Magnetspulen als gelartiger Überzug ( hohe Kriechstromfestigkeit / niedrige Permittivität ) .   Kunstharze stehen insgesamt einer breiten Palette von Anwendungsmöglichkeiten zur Verfügung , nicht zuletzt wo es auf Steifigkeit , Gewicht und Flexibilität ankommt ( Carbonharze ) . 

Kunstharze benötigen einen Härter , der mit dem Harz vermischt wird . Die Vernetzung bzw Polymerisation mit einhergehender Erhöhung der Viskosität geschieht auf unterschiedliche Weise . Es können Volumenzunahme und Schwund auftreten . Bei Epoxidharz beispielsweise wird das Polyadditionsverfahren angewendet , bei der diese ungünstigen Eigenschaften nicht auftreteten . Die anschließend reaktionsfähige Masse gilt im ausgehärteten Zustand als ungiftig , dennoch sollten bei der Verarbeitung geeignete , – keine Einweg –  Handschuhe , getragen werden . 

Geschichtliches

  • Bis zur zweiten industriellen Revolution war es die Aufgabe der Harzer und des Pechsieders , Nachschub für den begehrten Rohstoff zu stellen . Dafür wurden eigens Regeln festgehalten , so durfte die Rinde nur ein Viertel des Umfangs angeritzt werden .
  • Weihrauch und Myrrhe galt in der Antike und darüber hinaus als Zeichen von Wohlstand und Status . 
  • Gekaut wurde Fichtenharz von Holzfällern u. a. und war bekannt als Kaupech . Pech ist die umgangssprachiche Bezeichnung von Harz im süddeutschen und österreichischen Raum . 
  • Ab dem 15. Jhd. dienten Harze als Bindemittel für Farben in der Malerei und lösten größtenteils Wachsfarben ab .
  • Bernsteine wurden auch als Leuchtmittel verbrannt .
  • Bakelit als erster vollsynthetisch hergestellter Kunststoff aus Formaldehyd und Phenolharzen . 

Besonderheiten 

  • Neben den Harzen von Lebendbäumen oder von verbauten Hölzern , existieren die rezent-fossilen und die rein-fossilen Harze .
    Letztere kennen wir als Bernstein / Amber oder in der Wissenschaft Succinit , die von Nadelbäumen vor mindestens einer Million Jahren ausflossen . 
    Rezent-fossile Harze stammen von fossilen sowie heute noch existierenden Baumarten , die mindestens einige zehntausend Jahre alt sind . Sie ähneln den Bernsteinen und tragen die Bezeichnung Kopal
  • Resine sind extrahierte Stoffe aus dehydrierten Baumharzen . Daneben gibt es den Begriff bei Kunstharzen , die allerdings dann in Doppelnamen angegeben sind . Bsp. : Epoxy resin , Polyethylen resin etc. . 

 

 

 

One thought on “Baumharz – Eigenschaften und Verwendung

  1. Thobias

    Ich finde die klare Differenzierung von echtem Harz zu Kunstharz sehr aufschlussreich – Viel Erfolg weiterhin !

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